MSC Sinfonia - einmal um den Stiefel

Die MSC Sinfonia verlässt Split, Kroatien

Die MSC Sinfonia verlässt Split, Kroatien

Eigentlich war für diese Jahr eine MSC Kreuzfahrt gar nicht gross geplant. Viel mehr wollte ich wieder einmal mit einer anderen Reederei wie Royal Caribbean oder Norwegian Cruise Line verreisen. Doch dann im Februar sprang ein Angebot mit der MSC Sinfonia auf, welches ich eben nicht so sein lassen konnte. Kurz darauf buchte ich die sechs tägige Reise von Genua nach Venedig und da zwei Destinationen für mich komplett neu waren, zögerte ich kaum. 

Anfangs Mai war es dann soweit und mit dem bequemen MSC Bus ging es von Zürich Flughafen nach Genua. Die Fahrt dauert leider, im Vergleich zur letzten Fahrt im August 2018 mit der MSC Opera, länger als erwartet. Dies spielte für uns keine grosse Rolle, doch über sechs Stunden im Bus sitzen wurde dann auch für uns irgendwie zu viel. Gut, auf jeden Fall sind wir dann in Genua angekommen und natürlich, wie immer wenn drei Kreuzfahrtschiffe in Genua an der Pier liegen, herrscht unglaubliches, logistisches Chaos. Nebst der MSC Sinfonia lagen auch noch die MSC Seaview und die MSC Magnifica im Hafen.

Durch unseren Clubstatus Gold erhielten wir jedoch «Priority Check-In Karten» und konnten somit ohne grosses Anstehen direkt als erste Passagiere auf die Sinfonia. 

An Bord angekommen fühlte ich mich direkt Willkommen. Die Crew begrüsste einen freundlich. Kurz darauf ging es ans Pooldeck für ein Cappuccino. Die Kabinen wurden gegen 14.00 Uhr frei. 

Mein erster Eindruck: das Schiff ist schon in die Jahre gekommen und trotz der Renovation im 2015 lässt die MSC Sinfonia Wünsche offen. Doch die Grösse macht das Grosse ganz aus und so fühlt man sich direkt wohl und nach einem kleinen Rundgang weiss man auch direkt wo was liegt. Die Passagiere verteilen sich hervorragend.

Gegen den Abend verliessen wir dann die ligurische Hafenstadt als erstes und machten uns auf direktem Wege auf nach Civitavecchia, dem Hafen bei Rom. 

Civitavecchia (Rom), Italien

Am frühen Morgen wurden wir von den extrem lauten seitlichen Bugstrahlruder geweckt – wir sind in Civitavecchia angekommen. Unsere Kabine 8087 liegt im vorderen Teil des Schiffes auf Deck 8 und daher spürt man die Bugstrahlruder beim An- und Ablegen erstaunlicherweise sehr. Dies ist wohl noch nostalgisches Kreuzfahrern!

Nach einem Frühstück sind wir dann gegen 11.00 Uhr in die Altstadt von Civitavecchia. Hier gibt es unmittelbar vom Hafen entfernt einen kleinen Markt, der so praktisch alles verkauft: Handyzubehör, Lebensmittel, Kleider und sogar Geräte für das eigene Heim. Unseren Grossvater platzierten wir in einem Café und meine Mutter und Grossmutter gingen auf grosse Shoppingtour. Die verschiedene Ware wird hier zu wahnsinns Preisen verkauft. Ein Ledergurt gibt’s ab 10,00 EUR, eine Handyhülle ab 5,00 EUR und T-Shirts ab 8,00 EUR. Die Qualität und Herkunft der verkauften Artikel lässt natürlich Fragen offen, doch um kurz die Beine zu vertreten, eignet sich Civitavecchia ziemlich gut. 

Nach paar Stunden ging es dann auch wieder zurück aufs Pooldeck von der MSC Sinfonia. Es war schon wirklich warm geworden im Mittelmeer und so konnten wir uns für paar Stunden sonnen. Das Pooldeck der Sinfonia wirkt im Verhältnis eher klein und so teilen sich die Passagiere zwei Whirlpools und Pools und die kleinen Gäste einen Splash Park.

Übrigens: vom Hafen zur Stadt verkehren kostenlose Shuttels, die von der Reederei und dem Hafen zur Verfügung gestellt werden – eine tolle Sache! 

Tag auf See

An unserem einzigen Seetag dieser Reise konnten wir das Schiff genauer unter die Lupe nehmen. Da meine Grossmutter ein extremer Fan vom bedienten Restaurant ist, haben wir uns entschieden dort das Frühstück einzunehmen. Das war grundsätzlich sehr lecker und gemütlich, wären da nicht die vielen Stationen wo die Kellner die Teller und das Besteck sortieren. Extrem laut wurde es während dem Frühstücken und so entschieden wir uns dann am Pooldeck den Kaffee zu trinken. Echt schade finde ich. 

Naja nach einem Kaffee und Orangensaft ging ich dann kurz die zwei Hauptdecks 5 und 6 erkunden. Hier spielt sich abends alles ab: Casino, zwei Hauptrestaurants, unzählige Bars und Lounges, eine Lobby mit kleinem Wasserfall und ein grösseres Theater! Viel mehr gibt es dann auch nicht mehr. Viele denken nun: «und wo ist die Cirque du Soleil Lounge, die Einkaufspromenade mit LED oder die Bowlingbahn?». Da muss ich euch leider enttäuschen. Die MSC Sinfonia gehört zur sogenannten Lirica Klasse, also der kleinsten von MSC. Hier steht viel mehr die Destination im Vordergrund, das Routing. Und zusätzlich finde ich, hat man auf diesen Schiffen vielmehr die Nähe zum Meer und erlebt den ursprünglichen Reiz einer Kreuzfahrt.

Im Verlauf des Tages passierten wir noch die Liparischen Inseln und die Strasse von Messina, bei der wir von der Ferne aus den Ätna sehen konnten. 

Am Abend hiess es dann Gala-Abend. Vor dem grossen 6-Gänge-Menu im Hauptrestaurant gab es noch ein Sekt-Apéro in der Lobby serviert mit Kleingebäck. Nach dem Abendessen besuchten wir noch eine Show im Theater bevor es dann noch nach einem kleinen Spatziergang an Deck, direkt ins Bett ging. Schliesslich macht so ein Seetag auch irgendwie müde. 

Kotor, Montenegro

An unserem vierten Tag der Reise sind wir im wunderschönen Kotor angekommen. Der Liegeplatz liegt direkt paar Minuten von der Altstadt. Bevor man aber hier andockt, passiert man mit dem Schiff die überwältigende Fjordwelt von Kotor. Sie ist vergleichbar zu der in Norwegen, doch viel mediterraner. 

Als wir in Kotor angekommen waren, mussten wir vor der Altstadt ankern, da die Marella Discovery den Liegeplatz bereits besetzte. Keine Ursache, denn das tendern zwischen Altstadt und Schiff dauert nur gerade 10 Minuten. Dort angekommen sind wir auf direktem Wege in die Stadt. Sie ist sehr klein und überschaubar. In Kotor hatte ich nur ein Ziel: die Festung von San Giovanni. Von hier aus hat man einen wunderbaren Überblick über die ganze Bucht von Kotor. Der Eintritt zur Festung kostet ca. 8 € pro Person. Die Wanderung zur Kirche dauert ca. 20 Minuten und führt über teils flache und teils sehr steile Wege, es gibt jedoch Treppen zur Festung hinauf. Aber seht selbst:

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die zahlreichen Kirchen, die Altstadt mit ihren vielen Restaurants und Gassen und natürlich eine Bootsfahrt in der Bucht von Kotor. Die Reedereien bieten verschiedene Touren an, ich jedoch finde, dass man diese Ausflüge ganz gut auch auf individueller Basis und selber unternehmen kann. 

Am Nachmittag fing es dann an zu regnen und wir machten uns wieder in Richtung MSC Sinfonia und liessen den Abend bei einem leckeren Abendessen ausklingen. Die Ausfahrt aus Kotor haben wir leider nicht mehr erlebt, da die Wetterverhältnisse es nicht zuliessen – schade, aber wir kommen wieder!

Split, Kroatien

In Split sind wir am frühen Morgen angekommen und hatten den ganzen Tag Zeit, die Stadt zu erkunden. Nach einem frischen Frühstück ging es zu Fuss in die Altstadt. Der Vorteil: der Kreuzfahrthafen liegt in unmittelbarer Nähe und in nur 10 Minuten ist man in der «Game of Thrones» Stadt!

Zuerst schlenderten wir bisschen durch die Altstadt und trafen uns anschliessend mit der Schwester meiner Arbeitskollegin, welche in Split wohnt. Sie konnte uns einiges über die Stadt erzählen und uns auch einige Hot Spots zeigen. Unter anderem der alte Markt, auf dem frisches Obst und Gemüse wie auch Souvenirs, Kleider und Taschen verkauft werden. Ein weiteres Highlight ist sicherlich der Diokletianpalast, der zur UNESCO Weltkulturerbe gehört. Der Palast diente als Altersresidenz dem Kaiser Diokletian.

Weiter ging es an die berühmte Riva. Die Uferpromenade bietet viele Restaurants und Bars, in denen man was essen oder trinken kann und dabei das Treiben auf der Promenade beobachten kann. Hier findet man ebenfalls viele kleine Stände und auch Möglichkeiten am Ufer zu entspannen. Jedoch darf man nicht vergessen, dass hier tagsüber wie auch abends sehr viel los ist, besonders in der Sommersaison. 

Für den kleinen Hunger gab es ein landestypsiches Cevapi in einem kleinen Imbiss. Der Imbiss heisst Kantun Paulina und ist absolut empfehlenswert! Ich glaube ich hatte selbst noch nie so gutes Cevapi, wenn man bedenkt, dass ich erst einmal sowas richtig gegessen habe :P

Leider blieb uns dann nicht mehr so viel Zeit und wir schauten noch kurz beim Fischmarkt vorbei. Hier wird täglich frischer Fisch und Meeresfrüchte angeboten. Wer also ein absoluter Fan davon ist, sollte unbedingt hier vorbeischauen.

Danach ging es zurück auf die MSC Sinfonia. An Deck genossen wir noch die letzten Sonnenstrahlen, bevor das Schiff ablegte. Bis in den späten Abend passierten wir immer wieder kroatische Inseln – Dalmatien zeigte sich nun von der schönsten Seite und bei Sonnenuntergang umso mehr! 

Venedig, Italien

Früh morgens an unserem letzten Tag kamen wir in Venedig an. Einlaufen war gegen 8 Uhr geplant gewesen, doch wir machten bereits um 7 Uhr in der Lagunenstadt an. Das hiess für uns sehr früh aufstehen, denn wir wollten das Einlaufen nicht verpassen. Die Einfahrt ist immer wieder spektakulär und einmalig. Einige Bilderimpressionen findet ihr unten. 

Um 10.30 Uhr haben wir dann ausgecheckt und sind mit dem MSC Bustransfer wieder zurück in die Schweiz gereist. Mein Fazit: die Reise war wunderschön und für anfangs Mai spielte das Wetter auch sehr gut mit. Meine Highlights auf dieser Route waren ganz bestimmt Kotor und Split, da es für mich zwei komplett neue Destinationen waren. Die MSC Sinfonia hingegen, konnte mich nicht besonders überzeugen, da sie für ihr Alter zu wenig in Stand gehalten wird und man immer wieder Abnützungen sieht. Die Kabinen sind verhältnismässig eher klein und auch die Sauberkeit im Bad lässt zu wünschen übrig. Das Servicepersonal konnte mich ebenfalls nicht überzeugen. Für ein Cappuccino haben wir am Seetag bis zu 45 Minuten gewartet. Ist doch kein Service oder? Wenn man bedenkt, dass man jeweils eine Service Charge pro Getränk bezahlt… Aber im Grossen und Ganzen hat uns die Reise gefallen und wir konnten viele schöne Eindrücke nach Hause nehmen. 

Venedig - persönlicher Kommentar

Venedig ist immer wieder eine Reise wert, auch für uns. Und so möchte auch ich kurz die Gelegenheit nutzen und zu den jüngsten Ereignissen mit der MSC Opera in Venedig Stellung nehmen. Ich persönlich bin ein absoluter Kreuzfahrtfan und geniesse die Zeit auf einem Schiff immer wieder. Der Unfall mit der MSC Opera und einem Flussschiff von Uni World haben aber wieder gezeigt, dass Kreuzfahrtschiffe, speziell die Reedereien und Verbände dahinter, bewusster und respektvoller gegenüber Menschen und Natur handeln müssen. Kreuzfahrtschiffe gehören auch aus meiner Sicht nicht in die Lagunenstadt und müssten viel weiter aussen anlegen, um die Stadt wie auch die Menschen nicht in Gefahr zu bringen. Die letzten Ereignisse waren schon schlimm genug, im Vergleich aber harmlos, wenn man bedenkt, dass es für Venedig viel schlimmer hätte kommen können. Das Problem in Venedig liegt aber viel tiefer als viele denken. Denn der Hafen befindet sich nicht in staatlichen Händen, sondern in privaten. Was bedeutet das konkret? Ist ein Hafen in staatlichen Händen, kann die Regierung die Einläufe selber regulieren und auch selber koordinieren. Ein Beispiel davon ist Dubrovnik in Kroatien. Hier werden nun nur noch zwei Schiffe pro Tag aufgenommen. Früher waren es beispielsweise bis zu fünf Anläufe am Tag und mehrere tausend Menschen, die sich in der Altstadt von Dubrovnik aufhielten. Venedig hingegen, der sich in privater Hand befindet, kann die Anläufe selber steuern und bis zu 8 Schiffe am Tag aufnehmen. Die Belastung und das Unfallrisiko ist für die Stadt somit auch grösser, die Lage des Hafens nun mal ausgeschlossen. Mit Belastung rede ich nicht von Touristen, die die Stadt belasten oder die Umweltbelastung. Hier gibt es nämlich andere Leistungsträger (ohne diese namentlich zu nennen), die den grössten Teil von Touristen in Venedig ausmachen. Die Kreuzfahrtschiffe machen rund 2% – 3% der gesamten Touristen in Venedig aus. Zudem muss man bedenken, dass an den Tagen, in denen die Schiffe ankommen, der grösste Teil der Passagiere an- oder abreist und sich somit gar nicht gross in Venedig aufhält. Transit nennt man sowas. 

Reedereien wie TUI Cruises fahren Venedig gar nicht erst an und legen in der nächst gelegeneren Hafenstadt Triest an, welche ebenfalls eine gute Infrastruktur für Gäste und Schiff bietet. MSC Kreuzfahrten hat den grössten Anteil am Triester Hafen erworben und wird sehr wahrscheinlich in Zukunft eher Triest als Heimathafen für Griechenland Kreuzfahrten nutzen als Venedig. Zumal das Echo in den Medien in Bezug auf Venedig und Kreuzfahrtschiffe eher negativ ist. 

Dies sind nur einige Punkte und man könnte noch viel mehr erzählen und darüber diskutieren. Was meine Main Message jedoch beinhalten soll, ist, dass nicht nur alleine die Kreuzfahrtschiffe in Venedig schuld daran für die jüngsten Ereignisse sind. Viel mehr liegt die Verantwortung auch bei der Regierung, den Verbänden und den Organisationen, die zusammen viel mehr bewirken könnten als jetzt der Fall ist. Und bei dieser Kapazitätssteigerung in den kommenden Jahren müssen die Reedereien aus meiner Sicht auch etwas dagegen unternehmen, um dem konstanten Wachstum Stand halten zu können. Schliesslich wünschen wir uns doch alle eine nachhaltige und gesunde Entwicklung für uns und insbesondere auch für unsere Nächsten!

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